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Newsletter - Lebenskunst lernen. Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung
 

Liebe Leserin, lieber Leser,

28.03.2010

   

Die Segel im Wind  der aktuellen Bildungs-Situation von Kindern und Jugendlichen hat sich das Modellprojekt "Lebenskunst Lernen" drei Jahre lang mit kultureller Teilhabegerechtigkeit auseinandergesetzt. Aber: "Sind alle im Boot?". Was denken Sie? Verraten Sie es uns auf der BKJ Fachtagung im Juni. Mehr Informationen zu Fragestellung und Programm finden Sie in der Werkstatt.

Anker setzen und loslegen?!  Kann man mit gesetztem Anker auf kraftvolle Fahrt gehen? Ja! Wenn der Anker an der richtigen Stelle gesetzt wird und gewonnene Schätze verankert. Wie das auf dem Gebiet "Kulturelle Bildung an und mit Schulen" funktionieren kann, erfahren Sie in der Rubrik Praxisimpuls.

Schwupp! durch Kunst und Kultur zu einer Pädagogik des Glücks! Ein schöner Gedanke. Er stammt von Prof. Dr. Olaf Axel Burow.  Im Fachforum finden Sie diesmal einen Gedanken-Auszug von ihm zu Inhalten seines 2010 erscheinenden Buches "Wie das Glück aus der Schule verschwand - und wie es wieder hineinkommt."

Hilfreiche Informationen stehen für Sie unter Tipps und Termine bereit.

Und wofür das Ganze?! Wir schmieden Bündnisse gegen Bildungsarmut. Ganz im Sinne von Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Zum Auftakt der Bildungsmesse Didacta in Köln bestätigte die Ministerin: "Mehr Bildungsgerechtigkeit liegt in der Verantwortung aller. Die Gesellschaft erwartet zu Recht, dass wir nicht länger über Zuständigkeiten streiten. Deshalb müssen wir den Föderalismus und die Kooperationsmöglichkeiten weiterentwickeln. Wir werden Bündnisse in den Schulen stärken, die Kindern reale Bildungschancen eröffnen." Die Bundesbildungsministerin kündigte an, in dieser Legislaturperiode insgesamt 1 Milliarde Euro einzusetzen, um Bildungsbündnisse zu stärken, die sich an Grundschulen um benachteiligte Kinder kümmern. In diesem Zusammenhang betonte die Bildungsministerin ausdrücklich auch die Bedeutung Kultureller Bildungsangebote für mehr Teilhabegerechtigkeit an Schulen. 

Den vollständigen Wortlaut der Eröffnungsrede finden Sie hier im Internet.

Weitere Informationen zum Modellprojekt "Lebenskunst Lernen" finden sie auf der Projekthomepage www.lebenskunstlernen.de

Herzliche Grüße

Ihr BKJ-Team

 

WERKSTATT >> Lebenskunst lernen


Fachtagung "ALLE IM BOOT ?! - KULTUR UND SCHULE AUF DEM WEG ZU MEHR TEILHABEGERECHTIGKEIT" 11. - 12. Juni

Die Segel sind gesetzt und das Boot hat an Fahrt gewonnen! "Kultur und Schule" hat vielerorts in Projekte und Partnerschaften zusammengerufen.  Doch haben wir wirklich alle mit im Boot?! Diese Frage steht im Mittelpunkt der Fachtagung im Juni. Diskutieren und gestalten Sie mit! Sie sind herzlich eingeladen!

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PRAXISIMPULSE >> Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung


Interview - Anker setzen und loslegen mit der Fachstelle "Kultur macht Schule"

Schon seit den 90ern befasst sich die BKJ mit dem Thema Kultur und Schule. Intensiv seit der Ganztagsschulausbau 2004 den Kooperationsboom ausgelöst hat. Damals schuf die BKJ das Netzwerk "Kultur macht Schule". Jetzt strebt sie gemeinsam mit dem BMFSFJ eine Weiterentwicklung an. BKJ Bildungsreferentin Viola Kelb über das "Wieso-Wie-und-Was" ...

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FACHFORUM >> Teilhabe, Kultur, Schule


Durch Kunst und Kultur zu einer Pädagogik des Glücks?

Schulvisionen entwickeln und teilen, das ist es, was Prof. Dr. Olaf Axel Burow von der Universität Kassel interessiert. Das ist es auch, was ihn für die BKJ zum idealen Diskussionspartner macht. Im Fachforum finden Sie diesmal einen Gedanken-Auszug zu Inhalten seines 2010 erscheinenden Buches "Wie das Glück aus der Schule verschwand - und wie es wieder hineinkommt."

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TIPPS UND TERMINE >> Tagungen, Seminare, Lesen


Hier finden Sie aktuelle Informationen aus dem Themenfeld "Teilhabe, Kultur und Schule". Sie erhalten News zu Fachtagungen und Fortbildungen, Publikationen und Arbeitshilfen und zu vielem mehr...

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WERKSTATT >> Lebenskunst lernen

     
Fachtagung "ALLE IM BOOT ?! - KULTUR UND SCHULE AUF DEM WEG ZU MEHR TEILHABEGERECHTIGKEIT" 11. - 12. Juni

Das Reiseziel in Projekten und Partnerschaften von "Lebenskunst lernen - Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung" lautet: Eine gerechte Bildungskultur für alle Kinder und Jugendlichen. Aber kommen da auch alle mit?

 
     

Welche Voraussetzungen müssen Konzepte Kultureller Bildung in Schulen mitbringen, damit Sie kein Kind zurücklassen? Was steht der Förderung von Teilhabegerechtigkeit in Schulen und Gesellschaft entgegen? Wie können mit Kunst und Kultur Qualitäten einer Schule der Teilhabe wirksam umgesetzt werden? 

Fragen, die im Mittelpunkt der Abschlusstagung des BKJ-Modellprojekts "Lebenskunst lernen - Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung" stehen. 16 Bildungspartnerschaften von Kultureinrichtungen mit Haupt-, Förder- und Gesamtschulen waren im Modellprojekt aktiv. Ihre Aufgabe lautete, in einer interdisziplinären Teamforschung nach Konzepten zu suchen, die ausgehend von den Lebenslagen benachteiligter Kinder und Jugendlicher mit Kunst und Kultur neue Teilhabemöglichkeiten eröffnen.

Die Tagung präsentiert die Ergebnisse des Modellprojekts und lädt alle Interessierten aus Praxis, Politik und Wissenschaft ein, gemeinsam Strategien für mehr Teilhabegerechtigkeit für Kinder und Jugendliche zu diskutieren.  

Impulse für einen lebendigen Mix aus Diskussion, Vortrag und Bühnenprogramm gibt es reichlich. Hier nur einige Stichworte: 

Diskussion: 

Mit Praxisexperten/innen ins Gespräch kommen: Teilhabeförderung durch Kulturelle Bildung in der Schule - Bilanzen und Perspektiven: Das Modellprojekt "Lebenskunst lernen" -  Praktische Visionen: Raumschaffen, Vielfalt leben, Bildungskunst und Strukturen > In vier interaktiven Foren stellen Experten/innen aus Kultur und Schule Wege zu neuen Lernkulturen vor 

Vortrag:

Dr. Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Kulturelle Bildung für alle Kinder und Jugendlichen: Ein Schlüssel für Lebenskunst und Teilhabe - Prof. Dr. Max Fuchs, Akademie Remscheid, Ehrenvorsitzender BKJ: Illusion der Chancengleichheit? Über die Produktion von Bildungsarmut und mögliche Auswege - Prof. Dr. Wolfgang Mack: Rückschlüsse: wissenschaftliche Begleitung der 16 Modellpartnerschaften in "Lebenskunst lernen"- Prof. Dr. Anne Sliwka, Pädagogische Hochschule Heidelberg: Neue Schulkultur(en) entwickeln! Lernen und Teilhabe in einer guten Schule 

Bühne:

"TanzZeit - Zeit für Tanz in Schulen!": MIXED UP-Preisträger 2009 - Jugendzirkus Shake: Modellpartner aus "Lebenskunst lernen"

Es gibt viel zu entdecken! Diskutieren und gestalten Sie mit! Sie sind herzlich eingeladen!

Hier finden Sie alle Informationen zu Anmeldung und Programm der Fachtagung "ALLE IM BOOT ?! - KULTUR UND SCHULE AUF DEM WEG ZU MEHR TEILHABEGERECHTIGKEIT"




PRAXISIMPULSE >> Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung

     
Interview - Anker setzen und loslegen mit der Fachstelle "Kultur macht Schule"

Viola Kelb ist seit 2005 Bildungsreferentin bei der BKJ. Sie gehört zu den Fachleuten, die geduldig an einem Netzwerk für Kultur und Schule auf Bundesebene knüpfen. Die Diplom-Pädagogin leitet die neue Fachstelle "Kultur macht Schule". Eine Weiterentwicklung der BKJ gemeinsam mit dem BMFSFJ im Bereich von "Kultur und Schule" ...

 
     
Was war der Anstoß für die neue Fachstelle "Kultur macht Schule"?  

Viola Kelb: Nach Abschluss unseres ersten Modellprojektes "Kultur macht Schule" war deutlich, dass das Thema "Kulturelle Bildung an und mit Schulen" mit der Erstellung von Qualitätsrastern und Leitfäden nicht beendet ist. Immer noch gibt es rund um dieses Thema jede Menge Diskussionsbedarf. Kaum ein anderes Thema innerhalb der BKJ wird nach wie vor so kontrovers diskutiert.

Was steht im Mittelpunkt der Diskussionen?

Viola Kelb: Das Verhältnis zwischen Kultureller Bildung und Schule. Das ist noch lange nicht ausgelotet. Kultureller Bildung wird immer noch viel zu wenig Platz in der formalen Bildung eingeräumt, das betrifft den Fachunterricht genauso wie Kooperationsangebote mit außerschulischen Partnern. Vor allem fehlt es dafür an fördernden Strukturmaßnahmen in den Ländern und Kommunen.

Im Rahmen des ersten Modellprojektes "Kultur macht Schule" befasste die BKJ sich von 2004 bis 2007 vor allem mit der Qualitätsentwicklung von Kooperationen. Mit welchem Ergebnis?

Viola Kelb: Die zentrale Erkenntnis dieses Modellprojektes lautete: Ohne strukturelle Verankerung bleiben Kooperationen zwischen Kultur und Schule punktuell und willkürlich! Was wir brauchen, ist eine nachhaltige Verankerung Kultureller Bildungsangebote innerhalb von regionalen Bildungslandschaften.

Und diese Verankerung wird nun angegangen?

Viola Kelb: Zumindest gibt es erste Ansätze! Die Einrichtung der Fachstelle "Kultur macht Schule" auf Bundesebene ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wir freuen uns, dass wir seit dem 1. Februar mit Hilfe einer BMFSFJ-Förderung den Bereich "Kultur macht Schule" innerhalb der BKJ erheblich ausbauen und auf eine neue Qualitätsstufe heben können! Mit der Fachstelle geht es nicht darum, ein neues Modell zu erproben. Ziel ist es, den weiteren Ausbau Kultureller Bildungsangebote an Schulen fachlich zu begleiten, Entwicklungen aufzugreifen und zu länderübergreifendem Transfer anzuregen.

Sind die Rahmenbedingungen dafür in allen Bundesländern gleich?

Viola Kelb: Nein. Die Rahmenbedingungen in den Ländern fallen nach wie vor sehr unterschiedlich aus: NRW beispielsweise nennt sich "Modell-Land Kulturelle Bildung" und hat in diesem Zusammenhang ein Förderprogramm "Kultur und Schule" ins Leben gerufen. In der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Niedersachen gibt es ein Koordinationsbüro "Kultur macht Schule". In Hamburg wurden Schulen mit Kulturprofil gefördert. In anderen Ländern wiederum gibt es so gut wie gar keine Strukturmaßnahmen ...

Und wozu genau ist die neue Fachstelle da?

Viola Kelb: Die neue Fachstelle "Kultur macht Schule" wird eine kontinuierliche Bündelung, Reflexion und Weiterentwicklung von bundesweiten Fachimpulsen rund um das Thema leisten. Ziel ist die nachhaltige Verankerung Kultureller Bildungsangebote in lokalen Bildungslandschaften. Den im Koalitionsvertrag betonten "Querschnitt Jugend, Kultur und Schule" wollen wir mit Kultureller Bildung aktiv gestalten und in diesem Zusammenhang auch eng mit den Strukturen der Bundesländer zusammenarbeiten. Auch wird die Fachstelle die im BKJ-Modellprojekt Lebenskunst lernen gewonnenen Erkenntnisse zu den Themen Teilhabegerechtigkeit und Inklusion durch Kulturelle Bildung an Schulen weiter verfolgen.

Die gewonnene Erfahrung des Modellprojektes "Lebenskunst lernen" soll weiter genutzt werden ...?

Viola Kelb: Definitiv! Schließlich steht hinter allen Aktivitäten, die wir rund um das Thema "Kulturelle Bildung in Schulen" haben, immer das Leitziel: "Kunst und Kultur für alle Kinder und Jugendlichen! " Auch MIXED UP, der Wettbewerb für Kooperationen, steht unter diesem Motto. Den Wettbewerb MIXED UP hat seit diesem Jahr das Bundesjugendministerium offiziell übernommen. Ein gutes Signal in diese Richtung! Das BMFSFJ vergibt in Zusammenarbeit mit der Fachstelle "Kultur macht Schule" in diesem Jahr sechs Preise im Wert von je 2.500 Euro, die Wettbewerbsrunde startet übrigens am 20. April!

Weshalb ist der BKJ und dem BMFSFJ der MIXED UP Wettbewerb so wichtig?

Viola Kelb: Der Wettbewerb MIXED UP, den wir bereits seit 2005 ausloben, erfüllt in Hinblick auf die Qualitätsentwicklung eine wichtige Barometerfunktion. Jahr für Jahr zeigt er uns an, wie sich die Kooperationspraxis bundesweit entwickelt. Mit Hilfe der jährlichen Wettbewerbsbeiträge ist es uns möglich, aktuelle Impulse und Modelle aus der bundesweiten Praxis aufzugreifen und gemeinsam mit Experten/innen aus Praxis und Wissenschaft weiterzuentwickeln.

Wie kann so etwas aussehen?

Viola Kelb: 2008 beispielsweise zeichneten wir die Louise Schroeder Schule aus Hamburg mit dem "Sonderpreis Kulturschule" aus. Seitdem hat sich im Themenfeld "Kulturelle Schulentwicklung" viel bewegt. Aktuell erscheint ein Buch im Rahmen des Modellprojektes Lebenskunst lernen, das erste Bausteine zur Theorie und Praxis einer Kulturellen Schulentwicklung darstellt.

Der Start der "Fachstelle Kultur macht Schule" ist nun seit einigen Wochen freigegeben. Was sind die ersten Ziele?

Viola Kelb: Die Bündelung von Informationen und Aktivitäten. Wir werden diese nutzerorientiert aufbereiten und zur Verfügung stellen, sowohl innerhalb der einzelnen Bundesländer als auch in den verschiedenen Kultursparten. Zentrale Vernetzungsstelle bleibt das Fachportal http://www.kultur-macht-schule.de, allerdings wird es grundlegend überarbeitet. Folgen wird dann ein Online-Tool, das viele Arbeitshilfen zur Verfügung stellt und aktuelle Ländersynopse ist. Und die "Datenbank für Kooperationen" steht als wichtiges Instrument zur Dokumentation guter Praxis und zur Vernetzung der Akteure zur Verfügung. Darin findet man über 500 Praxisbeispielen aus dem Bundesgebiet.

In Zukunft soll es noch weitere Bausteine der neuen Fachstelle geben. Welche sind das denn?

Viola Kelb: Erstens die so genannte MIXED UP Akademie, die Workshop-Reihen von und mit Fachkräften anbieten wird. Sie wird jetzt konzipiert und soll im Herbst starten. Zweitens eine Evaluation der Beiträge des Wettbewerbs MIXED UP. Ausgewertet wird die Wechselwirkungen von Strukturbedingungen und Qualität in der Praxis. So werden fundierte Grundlagen für Argumentationen und Positionen erschlossen. Drittens wird natürlich die vernetzende Arbeit über Ressortgrenzen und über die Grenzen der Bundesländer hinaus eine ganz entscheidende Rolle spielen. Wir sind dabei, einen Fachausschuss "Kultur macht Schule" mit Experten/innen zu gründen. Diese Experten/innen werden sowohl die drei Ebenen Bund, Land und Kommune als auch die schulische und außerschulische Bildung vertreten.



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Fachbeitrag

Durch Kunst und Kultur zu einer Pädagogik des Glücks?

Prof. Dr. Olaf-Axel Burow ist Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Entwicklung der Theorie des Kreativen Feldes und deren Umsetzung mit spezifischen Verfahren in den Bereichen Kreativitäts-, Begabungs- & Innovations-förderung, Schul- und Organisations-Entwicklung, Bürgerbeteiligung, Social Entrepreneurship. Er fragt sich stets nach dem Glück, dass in Pädagogik und Kultur liegt.

 
     

Im Jahr 1780 formulierte der erste Lehrstuhlinhaber der Pädagogik, Johann Christian Trapp, in Halle die Umrisse einer Pädagogik des Glücks. Erste Aufgabe der Pädagogik sei die "Bildung zur Glückseligkeit". Wie wir (Burow & Hoyer) in unserem Eröffnungsbeitrag des letztjährigen Ganztagsschulkongresses in Karlsruhe ausführten, ist dieses nach wie vor wegweisende Programm einer Pädagogik des Glücks nie eingelöst worden. Mehr noch: Seitdem ist die Vorstellung einer Glücks- oder Wohlfühlschule immer mehr in den Hintergrund getreten. Hoyer urteilt: "Mit dem Aufstieg und der Aufwertung des Bildungsbegriffs, dem Stolz und Stolperstein der deutschen Pädagogik, verlor die Pädagogik das Glück des Einzelnen immer mehr aus den Augen." Ausgerechnet Wilhelm von Humboldt vertrieb das Glück endgültig aus der Pädagogik als er 1832 erklärte:" >Die Entwicklung aller Keime [...], die in der individuellen Anlage eines Menschenlebens liegen, halte ich für den wahren Zweck des irdischen Daseyns, nicht gerade Glück<" (zit. n. Menze 1965, S. 125).

Seit dieser Zeit ist die Zielstellung einer Pädagogik, die in erster Linie dem Wohlbefinden von Schülern und Lehrern dienen sollte - jedenfalls vom Mainstream - nicht weiter verfolgt worden.

Die zweite Austreibung des Glücks erleben wir gerade im Gefolge der internationalen Schulleistungsvergleichsstudien, die die Aufgabe der Schule fast ausschließlich aus dem Blick ökonomischer Anforderungen betrachten, die sich aus der konkurrenzorientierten globalisierten Wissensgesellschaft ergeben. Weite Teile der Pädagogik haben sich längst dem Diktat der Ökonomie sowie -worauf Hartmut v. Hentig hinweist - dem "Paradigma des messenden Vergleichs" unterworfen. Beginnend bei den Evaluierungsorgien im öffentlichen Schulwesen bis hin zur Verschulung des Studiums durch Modularisierung und rigiden Leistungskontrollen werden Bildung und Erziehung einem bürokratisierten Regime unterworfen. Die neueste repräsentative Befragung des renommierten Konstanzer Hochschulforschers Timo Bargel fördert denn auch die ersten Schäden zutage: Zwar erfahre die Mehrzahl der Studierenden die klare Strukturierung als Orientierungshilfe, doch habe der empfundene Stress zugenommen und das Erkenntnisinteresse abgenommen. Die Lust am Lernen ist aus dem Studium vertrieben worden zugunsten einer Anpassung an äußerliche Anforderungen.

Die Universität verlängert so die schon in der Schule stattfindende Engführung auf vermeintliche Leistungsfächer und Bildungsstandards.

Entwicklung ist umso absurder, als die Momentan hoch im Kurs stehenden Hirnforscher wie Manfred Spitzer und Gerald Hüther nicht müde werden, uns mit bunten Gehirnscans daran zu erinnern, dass das Gehirn eine Lust- und Lernmaschine sei. Sie bestätigen damit was wir schon 1981 aus Sicht der Gestaltpädagogik in unserem Buch "Lernziel: Menschlichkeit" als Geheimnis erfolgreichen Lernens beschrieben haben: Eine vielfältig gestaltete anregende Lernumgebung, in der persönlich bedeutsames Lernen möglich wird. Der Glücksforscher Milhalyi Csikzentmilhalyi hat diese These durch sein Konzept des Lernens im "flow" belegt. Dies alles wusste übrigens schon John Dewey, der das Geheimnis erfolgreichen Lernens und einer Förderung der Person in einer schlichten, aber genialen Aussage auf den Punkt brachte:

"Herauszufinden, wozu man sich eignet und eine Gelegenheit zu finden, dies zu tun, ist der Schlüssel zum Glücklichsein" - und nicht nur das, sondern auch zu echter Bildung und zu Spitzenleistungen. Wo findet man solche entwicklungsförderlichen Umgebungen?rlichen Umgebungen?

Man findet sie dort, wo sich Bildungseinrichtungen von der Grammatik der alten Schule verabschiedet und sich geöffnet haben für vielfältige Formen kreativen und selbstbestimmten Lernens und Gestaltens. Kunst und Kultur erweisen sich dabei als wichtige Zugänge zu einem erweiterten Bildungsbegriff, der es den Einzelnen ermöglicht, ihre individuellen Potenziale zu entfalten und damit - auch im kreativen Team - zu Spitzenleistungen vorzudringen. In der Wissensgesellschaft werden mehr denn je kreative Gestaltungsfähigkeiten gefordert, die man durch Normierung, Verregelung und rigides Abprüfen eher verhindert. In diesem Sinne sollten Schulen, die das Glück ihrer Schüler/innen fördern wollen, sich von verengten Unterrichtskonzepten verabschieden und stattdessen offene Orte für Kunst, Kultur und kreatives Gestalten schaffen.

Der Text gibt einige Gedanken meines Ende 2010 erscheinenden Buches wieder:

Burow O.A. (2010). Wie das Glück aus der Schule verschwand - und wie es wieder hineinkommt.

Olaf-Axel Burow

http://www.uni-kassel.de/fb1/burow

http://www.art-coaching.org

 


 

TIPPS UND TERMINE >> Aktuelles

 

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AGJ beschließt Positionspapier: "Kinder- und Jugendpolitik"

Jungen Menschen das Recht auf Kindheit und Jugend zu garantieren entspräche einer zeitgemäßen Kinder- und Jugendhilfepolitik - so das Resümee des Positionspapiers "Bildung - Integration - Teilhabe" der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ). Die AGJ reagiert mit ihrem Papier auf die politischen und gesellschaftlichen Debatten um Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit Schulfähigkeit, Employability oder dem im Rahmen von Ressourcendiskussionen auftretenden Begriff des so genannten "Humankapitals".

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Mehr Bildungschancen durch Vernetzung!

Bundesjugendministerin Kristina Schröder gibt Startschuss für Fachstelle "Kultur macht Schule"

Mit der Einrichtung der Fachstelle Kultur macht Schule zum 1. Februar 2010 bei der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) legt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) einen wichtigen Grundstein auf dem Weg zu mehr kommunalen Bildungslandschaften. Durch ein starkes Netzwerk aus Jugendbildung, Kultur und Schule soll allen Kindern und Jugendlichen die Kulturelle Teilhabe ermöglicht werden.

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Netzwerkkampagne bauTraum

bundesweit // bis 12. September 2010

"Damit Baukultur in unser Gesellschaft Schule macht!" Unter diesem Slogan laden die Bundesstiftung Baukultur und ihr Förderverein gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Bundesarchitektenkammer zur bundesweiten Netzwerkkampagne "Baukultur und Schule" ein. Schüler/innen und mit ihnen Lehrende, Erzieher/innen, Planer/innen, Eltern, Initiativen und Institutionen können unter www.bau-traum.de ihre eigenverantwortlich und in eigener Finanzierung durchgeführten Projekte öffentlich präsentieren.

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Wettbewerb MIXED UP: Zusammenarbeit über Grenzen hinweg!

Ausschreibung vom 20. April bis zum 30. Juni 2010 // bundesweit

2010 vergibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend insgesamt sechs Preise im Wert von je 2.500 Euro. Angesprochen sind Kooperationsteams, die aus mindestens einem außerschulischen kulturellen Partner und einer Schule bestehen. Sie sollen nachhaltig gut zusammenarbeiten und Kindern und Jugendlichen künstlerisches Schaffen, umfassenden Kompetenzerwerb und Persönlichkeitsbildung ermöglichen. Vom 20. April bis zum 30. Juni können Bewerbungen online über www.mixed-up-wettbewerb.de eingereicht werden.

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Einladung zur Fachtagung "Tanz in Schulen - Vision 2020"

30. April - 1. Mai 2010 in Potsdam

Der Bundesverband Tanz in Schulen e.V. und sein Kooperationspartner fabrik Potsdam e.V. - Internationales Zentrum für Zeitgenössischen Tanz - lädt Fachleute und Interessierte herzlich zur jährlichen Fachtagung "Tanz in Schulen" in die fabrik Potsdam ein. Bei der Fachtagung 2010 geht es konkret um die Fragestellung, welchen Rahmen Tanz in der Schule haben kann und braucht, welche Merkmale und Gelingensbedingungen und Formate in der Schule zu entwickeln und politisch durchzusetzen sind, um die Vision von Tanz in Schulen im Jahr 2020 qualitativ hochwertig und nachhaltig verwirklichen zu können.

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Kongress im Rahmen von RUHR.2010: "Shortcut Europe 2010"

2. bis 6. Juni 2010 // Dortmund

Wenn Menschen in einer Gesellschaft ausgegrenzt werden, kann Kultur dann dabei helfen, diese Spaltung aufzufangen? Kann sie integrieren und anregen? Soziokulturelle Zentren, Initiativen und Vereine versuchen das seit Jahrzehnten. Wo steht sie heute, die Soziokultur, und wo liegt ihre Zukunft? Um Fragen wie diese geht es bei "Shortcut Europe 2010". Der internationale Kongress, organisiert vom bundesweit tätigen Fonds Soziokultur, versammelt zum zweiten Mal soziokulturelle Zentren und Akteure aus ganz Europa.

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ALLE IM BOOT ?! Tagung im BKJ-Modellprojekt "Lebenskunst Lernen"

11. und 12. Juni 2010 // Berlin

Die Segel sind gesetzt und das Boot hat an Fahrt gewonnen! Kultur und Schule haben vielerorts in Projekten und Partnerschaften zusammengefunden. Das Ziel ihrer gemeinsamen Reise heißt: "Eine gerechte Bildungskultur für alle Kinder und Jugendlichen." Doch haben wir wirklich alle mit im Boot?! Die BKJ lädt zur Tagung nach Berlin ein, um "Motive - Chancen - Wege" von "Kultur und Schule auf dem Weg zu mehr Teilhabegerechtigkeit" zu diskutieren.

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Wer liest, gewinnt: Jugendliteraturpreis auch in 2010 auf Bibliotheks-Tour

bis November 2010 // bundesweit

Bereits zum siebten Mal gehen nominierte Bücher des Deutschen Jugendliteraturpreises auf Bibliothekstourné. Die bundesweite Leseförderungsaktion "Wer liest, gewinnt!" ist eine gemeinsame Initiative von DasTelefonbuch, dem Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. und dem Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv). Gemeinsam veranstalten die regionalen Bibliotheken mit den regionalen Telefonbuchverlagen Schülerwettbewerbe zu einer Auswahl von nominierten Büchern des Deutschen Jugendliteraturpreises. Die Aktion wird durch den "Spiegel" und die Langenscheidt KG unterstützt. Bibliotheken und Schulen können sich online anmelden, alle Termine und die Anmeldeformulare sind auf der Website abrufbar.

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IMPRESSUM

Herausgeberin:
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V.

Küppelstein 34, 42857 Remscheid
Fon: +49 (0)2191.79 43 90
Fax: +49 (0)2191.79 43 89
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Redaktion:
Tom Braun
E-Mail: braun@bkj.de

Fotos:
Christoph Seelbach
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V.i.S.d.P.:
Hildegard Bockhorst

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