Liebe Leserin, lieber Leser,

13.07.2010

   

bei heißen Sommer-Temperaturen sind viele von Ihnen zum Abschlusskongress des BKJ-Modellprojekts "Lebenskunst lernen" am 11. und 12. Juni in Berlin in den Zielhafen eingelaufen. Mitgebracht haben Sie Projektboote voller neuer Erfahrungen, Fragen und Ideen. Mit kühlem Kopf und engagierten Herzen haben wir gemeinsam im angenehmen Klima der Berlinischen Galerie die Frage erforscht: Haben wir wirklich alle mit im Boot?! Mehr dazu in der Rubrik Werkstatt.

Tore auf und weiter geht’s! "Kultur macht Schule" nimmt neue Fahrt auf. Die Fachstelle "Kultur macht Schule" öffnet ihr Portal kultur-macht-schule.de. Die neue Internetseite stellt sich ehrgeizige Ziele. Welche? Das erfahren Sie in der Rubrik Praxisimpulse.

Warum ist Bildung wichtig? Diese Frage stellte Prof. Dr. Max Fuchs, Ehrenvorsitzender der BKJ, an den Anfang seines Vortrages auf der Abschlussveranstaltung. Auszüge und Link zum vollständigen Vortragstext finden Sie in der Rubrik Fachforum.

Hilfreiche Informationen stehen für Sie unter Tipps und Termine bereit.

Und: Bleiben Sie dran! 

Unser gemeinsamer Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit geht weiter. Eines steht schon fest:  Aus der Weggemeinschaft kommen Kraft und Kreativität für mehr.

Weitere Informationen zum Modellprojekt "Lebenskunst Lernen" finden sie auf der Projekthomepage www.lebenskunstlernen.de

Herzliche Grüße

Ihr BKJ-Team

 

WERKSTATT >> Lebenskunst lernen


Erfolgreiche Abschlusstagung des BKJ-Modellprojekts "Lebenskunst lernen"

Mehr Chancen  durch Kulturelle Bildung – So lautete das Ziel des BKJ-Modellprojekts "Lebenskunst lernen". 200 Vertreter/innen aus Kultur, Schule, Politik und Wissenschaft waren zum Abschlusskongress am 11. und 12. Juni der Einladung der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung nach Berlin gefolgt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Alle im Boot?! Kultur und Schule auf dem Weg zu mehr Teilhabegerechtigkeit?

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PRAXISIMPULSE >> Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung


Interview – Bitte eintreten!

Die Fachstelle "Kultur macht Schule" öffnet ihr Portal kultur-macht-schule.de

Tore auf und weiter geht’s! "Kultur macht Schule" nimmt neue Fahrt auf. Schon seit den 90ern befasst sich die BKJ mit dem Thema Kultur und Schule. Intensiv seit der Ganztagsschulausbau 2004 den Kooperationsboom ausgelöst hat. Damals schuf die BKJ das Netzwerk "Kultur macht Schule". Jetzt wird eine neue Tür aufgestoßen - mit Unterstützung des Bundesjugendministeriums wurde bei der BKJ die neue  Fachstelle "Kultur macht Schule" eingerichteten.

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FACHFORUM >> Teilhabe, Kultur, Schule


Die Illusion der Chancengleichheit? Über die Produktion von Bildungsarmut und mögliche Auswege

Warum ist Bildung wichtig? Diese Frage stellte Prof. Dr. Max Fuchs an den Anfang seines Vortrages auf der Abschlussveranstaltung von "Lebenskunst lernen". Außerdem durchleuchtete er die Fragestellung, wieso man von einer "Illusion der Chancengleichheit" sprechen muss. Dazu nahm er einen ersten und einen zweiten Anlauf,  um der Bildungsarmut auf den Kern zu kommen ...

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TIPPS UND TERMINE >> Tagungen, Seminare, Lesen


Hier finden Sie aktuelle Informationen aus dem Themenfeld "Teilhabe, Kultur und Schule". Sie erhalten News zu Fachtagungen und Fortbildungen, Publikationen und Arbeitshilfen und zu vielem mehr...

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WERKSTATT >> Lebenskunst lernen

     
Erfolgreiche Abschlusstagung des BKJ-Modellprojekts "Lebenskunst lernen"

16 Bildungspartnerschaften von Kultureinrichtungen mit Haupt-, Förder- und Gesamtschulen waren im Modellprojekt "Lebenskunst lernen" als Innovationsorte für neue Bildungskonzepte angetreten. Ihre Aufgabe lautete: mit Kunst und Kultur in einer bundesweiten Teamforschung neue Wege für mehr Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Lebenslagen zu entwickeln...

 
     
Im Mittelpunkt der Abschlusstagung standen neben der Präsentation der Ergebnisse des Modellprojekts deshalb die Fragen: Die Segel sind gesetzt. Das Ziel der gemeinsamen Reise von Kultur und Schule ist eine gerechte Bildungskultur für alle Kinder und Jugendlichen – Doch haben wir wirklich alle mit im Boot?! Welche Voraussetzungen müssen Konzepte Kultureller Bildung in Schulen mitbringen, damit Sie kein Kind zurücklassen? Was steht der Förderung von Teilhabegerechtigkeit in Schule und Gesellschaft entgegen? Wie können mit Kunst und Kultur Qualitäten einer Schule der Teilhabe wirksam umgesetzt werden? 

Gemeinsam diskutierten 200 Vertreter/innen aus Kultur, Schule, Politik und Wissenschaft, wie Kultur und Schule Wege aus der Bildungsarmut und für mehr Teilhabegerechtigkeit von Kindern und Jugendlichen umsetzen können.  

Forderung: soziale Gerechtigkeit für Kinder und Jugendliche 

In Fachvorträgen und interaktiven Expertenworkshops stellten die Teilnehmer/innen deshalb den Zusammenhang von sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe und Bildungsqualität in den Mittelpunkt. "Die Frage der sozialen Gerechtigkeit stellt sich massiv. Wer am Sozialen spart, der spart auch an der Bildung," so Prof. Dr. Max Fuchs, Präsident des Deutschen Kulturrats, in seinem Eröffnungsvortrag. "Wenn es mit der Bildungsteilhabe nicht mehr stimmt, dann stimmt es auch nicht mehr mit der politischen Teilhabe", so Fuchs weiter. Für die BKJ stellte deshalb ihr Vorsitzender Dr. Gerd Taube klar: "Eine gerechte Bildung darf nicht nur die Zukunft von Kindern und Jugendlichen in den Blick nehmen! Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen jetzt aktiv teilhaben und ein lebenswertes Leben führen können." Für die Träger der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung könne es, so Taube, deshalb nicht darum gehen, sich mit dem erreichten Stand zufrieden zu geben. Vielmehr gelte es jetzt, Schulen darin zu unterstützen, kulturell-ästhetischer Praxis einen zentralen Stellenwert in ihrem Schulalltag geben zu können. 

Es muss an die Struktur gehen

Prof. Dr. Wolfgang Mack von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg forderte, strukturelle Rahmenbedingungen in den Schulen zu verbessern, damit Kulturelle Bildung in den Kooperationen ihren Eigensinn bewahren kann. Als wissenschaftlicher Begleiter des Modellprojekts "Lebenskunst lernen" hatte er an den 16 beteiligten Schulen über 600 Kinder und Jugendliche sowie deren Lehrer/innen befragt. Er bestätigte in seiner Evaluation die positiven Wirkungen und betonte, dass gerade Schülerinnen und Schüler von Haupt- und Förderschulen Kulturelle Bildung an der Schule als wertvolle Ergänzung und Erweiterung erleben. Dies führte er sowohl auf die handlungs- und erfahrungsorientierten Arbeitsweisen der Kulturellen Bildung als auch auf die hohe Akzeptanz zurück, die Fachkräfte der Kulturellen Bildung als "Meister" und "Meisterinnen" ihres Fachs bei Schülerinnen und Schülern erfahren. 

Gemeinsam im Prozess: Wendung zur Wertschätzung

Vor dem Hintergrund der Evaluationsergebnisse stellte Tom Braun, Leiter des Modellprojekts "Lebenskunst lernen", deshalb die Frage in den Mittelpunkt, wie es gelingen könne, an Schulen Prozesse der Kulturellen Schulentwicklung zu initiieren. "Was wir für die Förderung von Teilhabegerechtigkeit brauchen ist ein "inclusive turn", d.h. eine Wendung zur Wertschätzung der Entwicklungsmöglichkeiten aller beteiligten Personen", so Braun. "Das Ziel liegt in einer wertschätzenden und für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihren individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten durchlässigen Schulkultur", betonte er. Diese Zunftsaufgabe rückte unweigerlich alle Bereich der Schule in den Blick: Den Unterricht, die Kulturangebote der Kooperationspartner, die Organisation und Struktur sowie die Haltungen und Werte der Schulgemeinschaft. In der BKJ hat sich für diese Zukunftsaufgabe der Begriff der "Kulturellen Schulentwicklung" etabliert. Unter dem Leitziel der Chancengerechtigkeit will die BKJ nun Schulen unterstützen, ihre internen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass kulturelles Lernen einen zentralen Stellenwert erhält. 

Die Kunst, das andersartige zu (wert)schätzen

Damit diese Aufgabe gelingen kann, müssen sich Kultur und Schule als "professionelle Lerngemeinschaft ausgestalten" , führte Prof. Dr. Anne Sliwka von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg in ihrem Vortrag aus. Das gemeinsame Projekt einer Kulturellen Schulentwicklung müsse sich dem Paradigma der Diversität verpflichten, so Sliwka weiter. Diese betreffe sowohl die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Professionen aus Schule und Kultureller Bildung als auch die Sicht auf die Kinder und Jugendlichen. "Die Gesellschaft floriert durch die Unterschiedlichkeit der Leistungen. Nicht dadurch, dass alle die gleichen Leistungen bringen" , verdeutlichte sie. Einer kulturaktiven Schule mit dem Lernziel Lebenskunst muss es gelingen, alle in der Schule handelnden Menschen in diesem Vorhaben mit ihren Wahrnehmungen, Bedürfnissen und Talenten zu berücksichtigen und ihnen entsprechende Räume des Lernens und der aktiven Mitgestaltung zu eröffnen. 

Strukturelle Absicherung als Konsens

In seinem Grußwort betonte Dr. Herman Kues (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Auf kulturelle Bildungsangebote können wir nicht verzichten, denn gerade sie vermitteln Bildung als Lebenskompetenz. Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, bundesweit eine nachhaltige Verankerung Kultureller Bildung für alle Kinder und Jugendlichen in lokalen Bildungslandschaften zu erreichen." Dass für bessere Bildungschancen die strukturelle Absicherung kultureller Angebote verbessert werden muss, betonten in ihren Statements auch die Bundestagabgeordneten Dr. Rosemarie Hein (Die Linke) und Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD). Neben der individuellen Förderung müsse ebenso die Verbesserung der strukturellen und rechtlichen Grundlagen in den Blick genommen werden, so Rossmann. Darüber hinaus, betonte Dr. Rosemarie Hein, müsse verlorener Handlungsspielraum wiedererlangt werden: "Das Kooperationsverbot für Bund und Länder muss fallen!". 

Praktische Netzwerke und Co.

Die Tagung bot umfassende Gelegenheit zu Austausch und Diskussion: Praktiker/innen aus Kultur und Schule erörterten ihre bisherigen Erfahrungen und notwendige Voraussetzungen für die nächsten Schritte in den Schulen, Kommunen und Bundesländern. Auf Podien und in interaktiven Foren diskutierten alle Teilnehmer/innen der Fachtagung, wie auf den unterschiedlichen Ebenen Voraussetzungen für ein neues gemeinsames Lernen mit Kunst und Kultur geschaffen werden können: Von der Entwicklung länderweiter Netzwerke von Kultur und Schule, über die Neusaurichtung von Aus- und Fortbildungen für Lehrer/innen, Künstler/innen und Kulturpädagogen/innen, die Möglichkeiten gemeinsamen Lernens mit Kunst und Kultur für Schüler/innen mit unterschiedlichen Förderbedarfen bis zu künstlerischen Zukunftslabors für Schulgemeinschaften und die partizipative (Weiter)Entwicklung von Schulgebäuden. 

Dran bleiben!

Die gemeinsame Orientierung fasste Hildegard Bockhorst, Geschäftsführerin der BKJ, in ihrem Beitrag unter dem Schlagwort "Dran bleiben!" zusammen: An Vernetzung und Austausch, an neuen Forschungs- und Evaluationsaufgaben, am Alleinstellungsmerkmal der ästhetischen und künstlerischen Dimension Kultureller Bildung, an der Aufgabe, die soziale Vererbung von Bildungsarmut zu durchbrechen, und an der Sicherung der Kulturellen Bildung gegen die Sparwut der Finanzkrise.

Mit der Vorstellung der neu bei der BKJ durch das Bundesjugendministerium eingerichteten Fachstelle "Kultur macht Schule" forderte Viola Kelb, BKJ, zum Abschluss der Tagung alle Teilnehmer/innen auf, sich weiterhin gemeinsam mit der BKJ für mehr Chancen durch Kulturelle Bildung an Schulen zu engagieren. Die unterschiedlichen Angebote der Fachstelle wie z.B. das neue Fachportal, der Wettbewerb MIXED UP oder die neue MIXED UP Akademie bieten hierfür zahlreiche Anknüpfungspunkte und Gelegenheiten.

Alle Vorträge und Präsentationen sind auf der Homepage des Modellprojekts abrufbar: http://lebenskunstlernen.de/index.php?id=285




PRAXISIMPULSE >> Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung

     

Interview – Bitte eintreten!

Die Fachstelle "Kultur macht Schule" öffnet ihr Portal kultur-macht-schule.de

Viola Kelb ist seit 2005 Bildungsreferentin bei der BKJ. Sie gehört zu den Fachleuten, die daran arbeiten, dass sich für Kultur und Schule auf Bundesebene Türen öffnen. Die Diplom-Pädagogin leitet die neue Fachstelle "Kultur macht Schule" und das Portal kultur-macht-schule.de.

 
     

Für wen wurde das Portal geschaffen?

Das neue Online-Portal stellt sich das ehrgeizige Ziel, einer sehr breiten Zielgruppe Informationen und Arbeitshilfen zur Verfügung zu stellen: Von der einzelnen Schule, die erstmalig ein außerschulisches Kulturangebot starten will, bis hin zu langjährig erfahrenen Fachkräften, Experten/innen und Vertreter/innen aus Politik, Praxis und Wissenschaft sowohl aus schulischen als auch aus außerschulischen Strukturen. 

"Kultur macht Schule" ist eine bundesweite Fachstelle. Da verliert man sich leicht aus den Augen. Was setzt das Fachportal kultur-macht-schule.de dem entgegen?

Rund um das Thema "Kultur macht Schule" hält das Portal alle Interessierten und Beteiligten auf dem neuesten Stand! Es ist so etwas wie ein Live-Ticker: Aktuelle Tagungen, Neuerscheinungen, Pressemeldungen, Tipps, Termine... all das findet man hier. Das hilft, in Kontakt zu bleiben.

Und  wie haben Sie die Schwierigkeit aufgefangen, dass Schule und Schulangelegenheiten Ländersache sind?

Bereits 2005 haben wir im Rahmen des Netzwerks "Kultur macht Schule" eine Ländersynopse zu den Rahmenbedingungen für Kooperationen erstellt. Natürlich ist sie seitdem nicht mehr aktuell, weil sich das Themenfeld in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat. Nun sind wir dabei, erneut die Strukturen für Kulturelle Bildung an, in und mit Schulen für jedes Bundesland zusammenzustellen. Ein umfassendes Tool zu Rahmenbedingungen, Serviceangeboten und Fördermöglichkeiten in den einzelnen Bundesländern finden Sie auf den Seiten des neuen Portals. Das Tool ist praktisch nutzbar und enthält direkte Links zu wichtigen Quellen und Ansprechpartnern. 

Wenn ich jetzt ein Lehrer / eine Lehrerin oder ein Künstler / eine Künstlerin bin - Was muss ich denn machen, wenn ich zum Beispiel über die Seite auf der Suche nach einer Idee für ein Kulturangebot an meiner Schule bin?

Recherchieren Sie über die Stichwortsuche! Wir haben mehrere hundert Praxisbeispiele gesammelt, wie Kultur erfolgreich Schule machen kann. Da ist zum Beispiel die Dokumentation aller Wettbewerbsbeiträge aus dem Wettbewerb MIXED UP in der "Datenbank für Kooperationen". Sie dient der Information und Beratung von Trägern und Einrichtungen über Formen, Inhalte, Konzepte für Kooperationen mit Schulen. Gleichzeitig fördert die Datenbank Dialog und Vernetzung unter den Akteuren. 

Und was bieten sie den Partner-Schulen?

Auch für die Schulen ist die Datenbank natürlich eine wichtige Informationsquelle. Darüber hinaus gibt es noch die Kunstspartensynopse! An dieser Stelle zeigen vor allem unsere 54 Mitgliedsverbände ihr großes Potenzial. Der Vorteil für die Schulen ist hier folgender: Die Fachstrukturen sind seit Jahren im Themenfeld "Schule" aktiv und leisten wichtige Beiträge zur Qualitätsentwicklung. Zu unseren Mitgliedsverbänden gehören neben den zahlreichen außerschulischen Verbänden auch schulbezogene Fachstrukturen wie zum Beispiel der "Bundesverband Tanz in Schulen". Wir haben Aktivitäten, Arbeitshilfen, Literatur und vieles mehr an dieser Stelle übersichtlich zusammengestellt. 

Im Vorfeld hieß es, das Portal solle zur Qualitätsentwicklung beitragen. Wie kann man sich denn diesen Beitrag vorstellen?

Wir haben praktische Arbeitshilfen und Leitfäden für Kulturkooperationen oder Kulturelle Schulentwicklung zusammengestellt. Sie geben Hilfestellung bei der Entwicklung erfolgreicher Bildungspraxis. Und vor allem ist das Portal ein Ort, der Innovationen und neue Fachimpulse aufgreift, bündelt und einem breiten Userkreis zur Verfügung stellt. Insofern ist es ein wichtiger Motor für Qualitätsentwicklung.

Ist das Portal also auch dazu gedacht, dass die Kulturpartnerschaften sich im Sinne einer Kulturellen Schulentwicklung weiter verselbständigen können?

Das könnte man so sagen. Vielleicht ist es aber eher eine Hilfestellung oder ein Geländer. Jedenfalls hilft das Qualitätsmanagementinstrument (QMI)  Kooperationen Träger und Einrichtungen der Kulturellen Bildung dabei, ihre Bildungspartnerschaften mit Schulen zu planen und anhand konkreter Fragestellungen, kontinuierlich zu reflektieren.



FACHFORUM >> Teilhabe, Kultur, Schule

 
Fachbeitrag

Die Illusion der Chancengleichheit? Über die Produktion von Bildungsarmut und mögliche Auswege

Ein Auszug aus einem Fachvortrag von Prof. Dr. Max Fuchs, Direktor der Akademie Remscheid und Präsident des Deutschen Kulturrates. Er hat den Ehrenvorsitz der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung inne. Und ihn treibt die Frage um: Was tun?! In Sachen Bildungsgerechtigkeit ...

 
     

1. Vorbemerkung

Vielen wird der Titel meines Vortrages "Die Illusion der Chancengleichheit" bekannt vorkommen. In der Tat haben wir diesen Titel nicht selbst erfunden, sondern ihn übernommen von einem Buch, das inzwischen 40 Jahre alt ist und das der französische Soziologe Pierre Bourdieu unter Mitarbeit von Jean-Claude Passeron geschrieben hat. Es handelt sich bei der französischen Originalausgabe, die schon einige Jahre früher erschienen ist, um eine Aufsatzsammlung. In Deutschland wurde dieses Buch von dem Institut für Bildungsforschung, heute Max-Planck-Institut, herausgegeben. Wer das Buch zur Hand nimmt und im Inhaltsverzeichnis blättert, könnte zunächst einmal erstaunt sein. Denn das Buch handelt ausschließlich von Frankreich und in Frankreich ausschließlich von Hochschulen, Universitäten und Studenten. Trotzdem war das Buch offenbar wichtig genug, dass es in deutscher Sprache herausgegeben worden ist. Doch wieso ist das Buch – oder zumindest sein Titel – heute in dieser Veranstaltung relevant? Es stellen sich insbesondere folgende Fragen:

Warum waren Bildungsfragen so wichtig?

Warum stehen Hochschulen und Studenten im Mittelpunkt?

Warum ist Chancengleichheit so bedeutsam?

Wieso ist die Chancengleichheit eine Illusion gewesen?

Ich will versuchen, im folgenden Hinweise darauf zu geben, wie die Antworten auf diese Fragen aussehen könnten.

2. Warum ist Bildung wichtig?

Dass heute Bildung wichtig ist, erkennt man u. a. daran, dass sie sowohl in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und – vielleicht wichtiger, weil es sich hierbei um bindendes Völkerrecht handelt – in vielen auch von Deutschland ratifizierten internationalen Konventionen ihren Platz findet. Bildung findet ihren Platz in den beiden Pakten, mit denen man die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in verbindliches Völkerrecht überführt hat (aus dem Jahre 1976), Bildung findet vor allen Dingen statt in der Kinderrechtskonvention, in der nicht bloß von einem Menschenrecht auf Bildung und kulturelle Teilhabe die Rede ist, sondern in der es sogar heißt, dass Kinder (hier sind Heranwachsende bis zu einem Alter von 18 Jahren gemeint) ein Menschenrecht auf Spiel und Kunst haben. Bildung muss also bedeutsam sein, wenn sie Eingang in diese grundlegenden Regelwerke des menschlichen Zusammenlebens gefunden haben. Wieso ist dies der Fall? Werfen wir einen Blick in die Genese der Menschenrechte. Eine wichtige Grundlage für die Formulierung der Menschenrechte finden wir in der Renaissance, als nämlich der Fokus auf den Einzelnen, auf das Individuum in den Mittelpunkt des Denkens rückte (Fuchs 2001). Die einzelne Persönlichkeit sollte nunmehr Ausgangs- und Endpunkt jeden Denkens sein. Für uns mag das heute selbstverständlich klingen, aber man sollte daran denken, dass der Anthropologe Clifford Geertz noch vor kurzem sagte, dass die Idee einer individuellen Persönlichkeit für den größten Teil der Welt eine sehr eigenartige Idee sei. Dort stünden vielmehr Gruppen von Menschen und nicht der einzelne Mensch im Mittelpunkt. Verstärkt wurde die Idee der individuellen Persönlichkeiten stark durch die Reformation. Denn ein Element der Reformation war, dass zwischen dem Einzelnen und Gott keine Vermittlungsinstanz wie etwa ein Priester notwendig war: Jeder hat unmittelbar eine Beziehung zu Gott.

Mit Bildung hat dies insofern zu tun, als in dem Wort Bildung das Wort Bild steckt. Und dies ist kein Zufall. Denn auch hier gibt es einen starken christlichen Bezug, demzufolge der Mensch von Gott als sein Ebenbild geschaffen wurde. Bildung geht also auf Bild, speziell auf Imago Dei, das Ebenbild Gottes zurück. Ein weiterer wichtiger historischer Bezug besteht darin, dass in allen gesellschaftlichen Utopien – am berühmtesten dürften die von Thomas Morus (Utopia), von Campanella (Der Sonnenstaat) und von Francis Bacon (Neues Atlantis) gewesen sein – Bildung geradezu im Mittelpunkt steht: Bildung gehört zu den politischen Utopien, bei denen es um die Vision einer wohlgeordneten Gesellschaft geht ...

Den vollständigen Text "Die Illusion der Chancengleichheit? Über die Produktion von Bildungsarmut und mögliche Auswege" finden Sie hier.

 Prof. Dr. Max Fuchs ist  Direktor der Akademie Remscheid, Präsident des Deutschen Kulturrates, Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Vorsitzender des Instituts für Bildung und Kultur.  Er lehrt Kulturarbeit an den Universitäten Duisburg-Essen und Basel.

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TIPPS UND TERMINE >> Aktuelles

 

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TIMSS Übergangsstudie untersucht den Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulen

Die Erkenntnisse der TIMSS-Übergangsstudie, so Bundesministerin Annette Schavan anlässlich der Veröffentlichung "sind ein Plädoyer für ein noch durchlässigeres Bildungssystem." Die Studie entstand unter der Leitung des scheidenden Direktors des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Jürgen Baumert. Die Ergebnisse zeigen, dass der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe einer der kritischsten Punkte ist, an dem soziale Ungleichheit entsteht. Daraus schlussfolgert Prof. Baumert, dass es zukünftig weit mehr erforderlich ist, diese 'Gelenkstellen im Bildungssystem' ganz besonders sensibel auszutarieren. 

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Erster Kinder- und Jugendreport zur UN-Berichterstattung über die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland

Zu wenig Mitbestimmung, keine Chancengerechtigkeit, zu viel Druck – aber sonst geht`s uns gut!

Vielen Kindern und Jugendlichen geht es ihren eigenen Angaben nach gut. Aus ihrer Perspektive werden ihre Rechte im Großen und Ganzen gewahrt. Doch sie sehen auch erhebliches Verbesserungspotenzial. Im ersten Kinder- und Jugendreport zur UN-Berichterstattung bemängeln Kinder und Jugendliche, dass sie zu wenig gehört und dass zu viele Entscheidungen, die unmittelbaren Einfluss auf sie haben, ohne sie getroffen werden. In ihrem Wohnumfeld haben sie häufig den Eindruck, dass Kinder und Jugendinteressen an letzter Stelle oder gar nicht berücksichtigt werden. Sie prangern die ungleichen Bildungs- und Teilhabechancen an. Und trotz eines seit zehn Jahren gesetzlich verankerten Rechts auf gewaltfreie Erziehung gibt ein Fünftel der Kinder an, dass dieses Recht in ihren Familien "manchmal" oder "oft" verletzt wird. Der Report offenbart weiter, wie massiv junge Menschen unter zunehmendem Stress durch die Schule leiden. "Freizeit? Durch Schule und Hausaufgaben wird mein ganzer Tag bestimmt!"

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Kunst und Kultur in Berlin - was geht mich das an?

"Coole" Marketingstrategien, jugendgerechte Programme - trotzdem nutzen viele Jugendlichen die Angebote von Kunst- und Kultureinrichtungen nicht, obwohl sie selbst Musik machen, Comics zeichnen oder Parkour laufen. Um den Gründen auf die Spur zu kommen startete für das Projektbüro Kulturelle Bildung der Kulturprojekte Berlin GmbH eine Gruppe von Jugendlichen eine Peer to Peer Umfrage, die jetzt als Publikation vorliegt. Dabei herausgekommen ist eine facettenreiche Sicht, die zeigt, dass Jugendliche ganz gut selbst wissen, was sie brauchen, was sie anspricht und wie sie Kultur und Kunst erleben wollen.

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Neue BKJ-Publikation:

Auf dem Weg zur Kulturschule. Bausteine zu Theorie und Praxis der Kulturellen Schulentwicklung

Kulturschulen wollen mehr als zeitlich begrenzte Kunstprojekte und regelmäßige Bühnenshows. Doch wie kann es einer Schule gelingen, ästhetisch-kulturelle Praxis in den Mittelpunkt aller Bereiche ihres Schullebens zu stellen? Welche strukturellen Voraussetzungen, Qualifikationen und Haltungen müssen in einer Schule gegeben sein, damit ästhetisch-kulturelle Praxis in ihrer Bildungsqualität nachhaltig wirksam werden kann? Ziel einer kulturellen Schulentwicklung ist es, Schulen mit Kunst und Kultur in der Gestaltung einer teilhabegerechten und stärkenorientierten Kultur des gemeinsamen Lernens zu unterstützen. In einem ersten Schritt stellen die Autoren Tom Braun, Max Fuchs und Viola Kelb in diesem Buch Vorarbeiten zu Theorie und Praxis der Kulturellen Schulentwicklung zusammen. Der Band verbindet eine spezifische Analyse von Schule als Ort systematischer Subjektentwicklung mit grundsätzlichen Überlegungen zur Bildungswirkung der Künste sowie ihrer möglichen Rolle in der Weiterentwicklung von Schule zu einem Ort einer teilhabegerechten Bildungskultur. Fünf Fallstudien zeigen: Der Weg zur Kulturschule kann gelingen!

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Neuer Masterstudiengang: Sonderpädagogik in außerschulischen Handlunsgfeldern

An der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg wird es ab Wintersemester 2010 eine Masterausbildung geben, die auch das Schnittfeld zwischen Kulturarbeit und Sonderpädagogik anbietet. In den Richtlinien ist die Möglichkeit vorgesehen, dass Menschen mit künstlerischen Berufen hier eine vertiefte pädagogische Ausbildung erhalten können für die zukünftigen Felder der inklusiven Kulturarbeit.

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Projekt "Kooperations-Kompass Kulturelle Bildung" (kkk)

Mit dem Kooperations-Kompass Kulturelle Bildung wird von der LKJ Baden-Württemberg ein Internetportal entwickelt, dass Angebote der kulturellen Jugendbildung im außerschulischen Bereich erfasst und darstellt und so als Wegweiser bei der Suche nach kompetenten Partnern für Kooperationen zwischen schulischen und außerschulischen Institutionen dient.

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Bildunsgbericht 2010 erschienen

Der alle zwei Jahre erscheinende Bildungsbericht liefert 2010 in neun Kapiteln eine empirisch fundierte Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens: Von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung über die allgemeinbildende Schule und die non-formalen Lernwelten im Schulalter, die berufliche Ausbildung und Hochschule bis hin zur Weiterbildung. Der Bildungsbericht ist der Leitidee "Bildung im Lebenslauf" verpflichtet.

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IMPRESSUM

Herausgeberin:
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V.

Küppelstein 34, 42857 Remscheid
Fon: +49 (0)2191.79 43 90
Fax: +49 (0)2191.79 43 89
www.bkj.de

Redaktion:
Tom Braun
E-Mail: braun@bkj.de

Fotos:
Christoph Seelbach
Jomi bei Photocase
Zettberlin bei Photocase

V.i.S.d.P.:
Hildegard Bockhorst

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